Stop: der Premium Partner kann so nicht bleiben

Gerichtlichen Ärger bekam Deutschlands (nach eigener Aussage) größtes Ärztempfehlungsportal jameda.de, Teil von Tomorrow-Focus (mehrheitlich Burda-Verlag). Es ging um die begehrte Position ganz oben bei der Suche nach Fachärzten. Im Kern geht es um die Frage: Kann der normale Nutzer/Patient erkennen, dass der farblich unterschiedene, quer in eher kleinerer Schrift mit „Premium Partner“ ausgezeichnete Spitzenplatz gekauft wurde? Tatsächlich fehlt unstreitig die wörtliche Kennzeichnung „Anzeige“.

Stopschild

Stopschild

Jameda meinte, genug zur Unterscheidung getan zu haben – das Münchener Landgericht war in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil (siehe z.B. hier) anderer Meinung: Die Platzierung muss eindeutiger als werblich gekennzeichnet werden und ist daher irreführend.
Jameda erzielt mit der Buchung der entsprechenden Einträge durch die Leistungserbringer entsprechende Erlöse. In einer Stellungnahme gegenüber PharmaFlash meint das Unternehmen: „… aus unserer Sicht ist die derzeitige Kennzeichnung der beanstandeten Anzeigen eindeutig …, was auch verschiedene Nutzertests bestätigt haben. Selbstverständlich sind Platzierungen in der jameda-Ergebnisliste in keiner Weise käuflich.“
Unsere Meinung dazu: man muss die Kirche im Dorf lassen. Heute weiß jeder

Weniger ist mehr – nicht nur für Kinder

Dafür, dass die Info-Flut des Internets nicht selten mehr verwirrt als nützt, gelten medizinische Themen als Paradebeispiel. Und ein noch gesteigertes Durcheinander an je nachdem seriösen, suspekten, esoterischen oder obskuren Privatmeinungen herrscht bei Stichworten aus der Kinderheilkunde. Wer es ausprobieren möchte, braucht nur „Impfung“ oder „ADHS“ in eine Suchmaschine einzugeben.

Kinder und Eltern aufgepasst

Kinder und Eltern aufgepasst

Einen „qualitätsgeprüften Wegweiser“ anzubieten, hat sich deshalb kindermedizin.info
auf die Fahnen geschrieben: ein unabhängiges redaktionelles Team sichtet und bewertet nach definierten

Doppelte Zweifel

Viele machen es, auch PharmaFlash macht es. Aber ist es legal?
Ein Rätsel? Nein, aber die Sache ist (noch) nicht ganz klar. Es geht um das Double-Opt-In-Verfahren (DOI). Dieses Verfahren fordert den Empfänger von (Werbe-/Marketing-/Verkauf-/Promotion-) Mails dazu auf, die beim Anmeldevorgang eingegebene E-Mail zu bestätigen, indem die Begrüßungsmail des Anbieters nochmals akzeptiert wird. So ist die E-Mail-Adresse „korrekt“ und nur der Kunde bekommt Mails, der dies auch wirklich will.

Doppelt ist besser

Doppelt ist besser

Wirklich? Das scheint nach einem Urteil des Amtsgericht Pankow aus dem Dezember 2014 wieder fraglich, moniert der „Deutsche Dialogmarketing Verband“ (Pressemeldung hier.
Der DDV fordert – völlig zu Recht – endlich eine rechtssichere Klarstellung, gesetzlich oder durch oberste Gerichte. Das Problem, und das muss man zweimal lesen oder Jurist sein: solange der Kunde nicht bestätigt hat, dass er Mails erhalten möchte, hat er auch nicht bestätigt, dass er die zweite Bestätigungs-Email erhalten möchte. Es handelt sich daher dabei um unerlaubte, unverlangte E-Mail-Werbung.
Ein klassisches Henne-Ei-Dilemma.

Sichtbar in schwierigen Zeiten

Eine Binsenweisheit: Im Netz wird umfangreich nach Informationen zu Krankheiten gesucht. Das gilt noch mehr für chronische, lebensverändernde Diagnosen – und dabei sind auch Angehörige und Bekannte gefragt. Eine zweite Binsenweisheit: Der „aufgeklärte“, moderne Patient misstraut aus Prinzip der Pharmaindustrie.

Partner sein

Partner sein

Dennoch oder gerade deswegen müssen Unternehmen dieser Branche präsent sein, aus bekannten Gründen allerdings nicht direkt produktbezogen. Der Weg ist klar: Mehrwert bieten, neutral informieren und sich und das unbestrittene Ziel, sein Produkte in den Markt zu bringen, zurücknehmen.
Ganz gut gelungen ist das Janssen-Cilag mit seinen jetzt gestarteten www.psychose-wissen.de (sieben Module, „Von Psychose im Überblick“ bis hin zu „Genesungshilfen“, interaktive Elemente, Erfahrungsberichte etc.) und dem krebsratgeber.de („ … sozialrechtliche Fragen oder Themen rund um psychische Probleme bei einer Krebserkrankung …“).
Die inhaltliche Federführung liegt entweder bei externen, universitären Experten oder einer Fachredaktion, vom Design sind sie wie die Firmenseite in der angesagten responsiven Anmutung gehalten (erstaunlich

Das nächste Facebook-Ding

„Gesundheit ist ein Milliarden-Markt! Frauen achten noch mehr als Männer auf ihre Fitness! Verdienen auch Sie damit!“ Kommen Ihnen solche Slogans bekannt vor? Seit einiger Zeit entdecken mehr oder weniger seriöse Finanzvertriebler „unterschätzte“ Start-Ups aus dem Bereich digitale Gesundheit, in die investiert werden kann/soll und bei denen – man glaubt es kaum – die „Kursrallye gerade erst begonnen hat“.

rakete

Geht ab wie eine Rakete …

Ein Beispiel könnte opensourcehealth sein mit Sitz im kanadischen Toronto.
Das Geschäftsmodell, die verkaufte Dienstleistung bleibt – vorsichtig gesprochen – etwas unklar, hat irgendwie mit einem Abo von Gesundheitsnachrichten und den unvermeidlichen Apps zur Optimierung von Nahrungsauf- und Gewichtsabnahme zu tun (daher wohl die weibliche Zielgruppe). Auf jeden

Mehr werden durch Zukaufen

Nach einer nicht beweisbaren Hypothese schlummern die waren Online-Community-Perlen nicht in perfekt durchgestylten Marketing-Seiten, sondern in – wie soll man sagen – etwas altbacken daherkommende Foren. Oft genanntes Beispiel ist craigslist.com, das Original seit „Urzeiten“ unverändert. Analoges gilt vermutlich im Gesundheitsbereich, nicht gerade grafisch herausragend jedenfalls kommen Angebote wie medizin-forum.de oder med1.de daher.

zwei zitronen

Größer werden …

Doch spielt in diesen Foren einige „Traffic-Musik“ und die „wirklichen“ Nutzer tummeln sich hier. Diese Erkenntnis hat nun Holtzbrinck Digital so interpretiert, dass es sich mit med1.de verstärkt und demnächst durch die bereits hauseigene netdoktor.de Redaktion betreut. Als Plattform und Name soll med1 (natürlich) bestehen bleiben. Zusammen liegt Holtzbrinck damit ganz weit vorne im deutschen Gesundheits-community-Markt.
Wieviel sich Holtzbrinck diesen Schritt hat kosten lassen,