Autor: PharmaFlash

Da kommt was auf uns zu

Vor einer guten Woche, Anfang Mai, entschied der Europäische Gerichtshof, dass Pharma-Unternehmen Packungsbeilagen eben auch für – ja genau! – verschreibungspflichtige Arzneimittel
in ihrer „amtlich genehmigten Form“ im Internet veröffentlichen dürfen. Die langjährige Rechtsunsicherheit wird damit endlich beendet, stellt begrüßend der BPI fest. Der Richterspruch bezieht sinngemäß auch die öffentlich zugänglichen Evaluierungsberichte der Zulassungsbehörden ein, die „eins zu eins“ auf der Homepage abgebildet werden dürfen.
Einiges an Ärger, Aufwand und später auch (Abmahn-)Streitigkeiten sowohl für Unternehmen als auch für PR- und andere Agenturen wird allerdings die Bedingung darstellen, dass diese Infos nur unter einem Pull-Zugang zur Verfügung stehen dürfen. Darunter ist zu verstehen, dass der Interessent „aktiv nach den Dokumenten suchen muss und er nicht nicht zum passiven Empfänger“ wird. Was immer das nun genau heißen soll in der Praxis.

Ich lasse mir meine Hautcreme mischen

Eigentlich schon überfällig: Endlich kann man/frau sich seine/ihre individuelle Hautcreme online bestellen. Unter www.meine-hautcreme.de bietet die Anthemis Apotheke aus Herrieden bei Ansbach diesen Service an. Der Nutzer klickt sich seine Inhaltsstoffe – natürlich nur frei verkäufliches – selbst zusammen, abgestimmt auf Hauttyp und persönlichen Wünschen; alles natürlich ohne Emulgatoren, Konservierungsmittel, Duftstoffe, Mineralölprodukte, Silikone und Amine. Laut ABG schaut „ … zur Sicherheit ein Arzt auf die Rezeptur. Bedingung ist daß Du keine Allergien oder bedeutsame Hautkrankheiten hast … “
Bezahlt wird per Vorkasse, PayPal, Lastschrift und Kreditkarte. Der Preis für die übliche 50 Gramm-Größe liegt bei ca. 35 Euro (Versand ist frei). Dieses Preisniveau entspricht in etwa dem marktüblichen bei Herstellung in einer Apotheke „um die Ecke“. Die Anthemis-Apotheke verweist auf ihre besondere Kompetenz für selbst hergestellte Rezepturen.
Eine Anmerkung zur Nutzerführung: Bei der Auswahl der Inhalte war anfangs nicht klar, wie weniger als fünf Zusätze gewählt werden können; das eigentliche Einfügen erforderte nicht ganz intuitiv den Klick auf das Bildchen. Das sind aber, wenn überhaupt, nur Kinderkrankheiten. Insgesamt macht das Angebot einen sehr aufgeräumten und professionellen Eindruck. Ob die Umsätze den Erwartungen entsprechen werden?

Fachportale starten neu?

Jahrelang war es still geworden um die medizinischen Portale, die nur für Fachkreise zugänglich sind. Die Interessenten tummelten sich in Foren der Berufsverbände und in übergreifenden Angeboten (um zwei beliebige zu nennen: facharzt.de, bvou.net). Ein Grund unter anderen war ganz banal: es gab einfach zu wenig Sponsoren aus der Industrie.
Jetzt hat sich wieder einmal ein bedeutender Mitspieler aus der Pharmabranche herausgewagt: B.Braun Melsungen bbraun.de ist Initiator von www.medperts.de „zur Förderung des Wissensaustauschs unter Medizinern“, damiz sind ganz im Sinne der Produkt-Zielgruppe Anästhesisten, Chirurgen und Intensivmediziner gemeint. Für Seriosität und Durchschlagskraft konnte man gewichtige Kooperationspartner mit ins Boot holen, u.a. die Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und das DIMDI.
Vielleicht leitet dieser Neustart ein stärkeres Engagement der Industrie in diesem Segment überhaupt ein. Das Web 2.0 mit seiner starken Einbindung der „Community“ macht es leichter als ehedem, die Zielgruppe effektiv und für beide Seiten sinnvoll einzubinden.

Goldenes Staubkorn der medizinischen Suche

In der Internet-Wüste von Millionen (gefühlten Milliarden) Seiten findet sich doch manches „goldenes Staubkorn“. Wie im folgenden Beispiel manchmal sogar direkt vor der Tür, man hätte sie schon längst entdecken sollen, war aber irgendwie zu sehr mit Google & Co. beschäftigt. Das gilt hier sogar im wörtlichen Sinn, vorgestellt werden soll hier medpilot.de, ein Service der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin mit Sitz in Köln.
Eine klare Oberfläche mit übersichtlicher Bedienung lässt Fachliteratur zu jedem denkbaren medizinischen Stichwort finden. Vorteil gegenüber Google und/oder PubMed ist vor allem die Berücksichtigung deutscher Publikationen. Einige Ergebnisse sind gleich zum Lesen und Download verlinkt, andere muss man bestellen. Das kostet ab 5,- Euro für Privatpersonen und überschaubare 9,- Euro aufwärts für gewerbliche Kunden. 9,- Euro aufwärts.

Was wir schon immer wussten

Oder doch nicht? Wie unabhängig sind anzeigenfinanzierte Ärzteblätter von ihren Werbekunden? Das Ergebnis einer Studie des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität Marburg kommt zum befürchteten Fazit: werbefinanzierte Blätter empfehlen „gut versteckt“ Therapien im redaktionellen Teil und schalten gleichzeitig eine Anzeige. Darüber hinaus wird im Ganzen eher unkritisch und industriefreundlich berichtet, heißt es weiter. Das Deutsche Ärzteblatt kommt noch relativ gut weg, es hat „die Tendenz, weder dafür noch dagegen dagegen zu sein“.
Werbefinanzierte Magazine sind in diesem Sinne das Gegenteil von Abo-Zeitschriften, bei denen der Arzt tatsächlich Geld überweist. Interessant wäre die weitergehende Frage, ob diese Ergebnisse sinngemäß auch für Online-Auftritte übertragbar sind; dazu findet sich leider keine Angabe.
pharmaflash.de berichtet auf jeden Fall objektiv, allerdings gibt es dort auch keine Anzeigen :-( und auch keine zahlenden Abonnenten.

Patientenportal wie Facebook?

Einen neuen Weg der Vernetzung will ein Team der Berliner Charité gehen. Vor allem neurologische Patienten und die sie betreuenden Pfleger und Ärzte sollen die bisher zum Nachteil der Kranken bestehenden (und teuren: diverse Fachgruppen, Rollstuhl etc.) Koordinationsprobleme vermeiden.
Bis zum im Spiegel beschriebenen „Facebook für Patienten“ ist es aber noch eine gute Strecke hin: der Online-Auftritt des Portals ambulanzpartner.de ist bisher noch nicht ausgereift und auf den ersten Blick verwirrend, die kommunikativen Elemente à la Facebook (noch) nicht implementiert. Störend auch die sehr langen und ermüdenden Texte.
Aber auch hier gilt, Kritisieren von außen ist leicht. Die Vielzahl von Projekt-Arbeitsstunden ist vorbehaltlos anzuerkennen – und ein sinnvoller Anfang ist gemacht.