Autor: PharmaFlash

Was wir schon immer wussten

Oder doch nicht? Wie unabhängig sind anzeigenfinanzierte Ärzteblätter von ihren Werbekunden? Das Ergebnis einer Studie des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität Marburg kommt zum befürchteten Fazit: werbefinanzierte Blätter empfehlen „gut versteckt“ Therapien im redaktionellen Teil und schalten gleichzeitig eine Anzeige. Darüber hinaus wird im Ganzen eher unkritisch und industriefreundlich berichtet, heißt es weiter. Das Deutsche Ärzteblatt kommt noch relativ gut weg, es hat „die Tendenz, weder dafür noch dagegen dagegen zu sein“.
Werbefinanzierte Magazine sind in diesem Sinne das Gegenteil von Abo-Zeitschriften, bei denen der Arzt tatsächlich Geld überweist. Interessant wäre die weitergehende Frage, ob diese Ergebnisse sinngemäß auch für Online-Auftritte übertragbar sind; dazu findet sich leider keine Angabe.
pharmaflash.de berichtet auf jeden Fall objektiv, allerdings gibt es dort auch keine Anzeigen :-( und auch keine zahlenden Abonnenten.

Patientenportal wie Facebook?

Einen neuen Weg der Vernetzung will ein Team der Berliner Charité gehen. Vor allem neurologische Patienten und die sie betreuenden Pfleger und Ärzte sollen die bisher zum Nachteil der Kranken bestehenden (und teuren: diverse Fachgruppen, Rollstuhl etc.) Koordinationsprobleme vermeiden.
Bis zum im Spiegel beschriebenen „Facebook für Patienten“ ist es aber noch eine gute Strecke hin: der Online-Auftritt des Portals ambulanzpartner.de ist bisher noch nicht ausgereift und auf den ersten Blick verwirrend, die kommunikativen Elemente à la Facebook (noch) nicht implementiert. Störend auch die sehr langen und ermüdenden Texte.
Aber auch hier gilt, Kritisieren von außen ist leicht. Die Vielzahl von Projekt-Arbeitsstunden ist vorbehaltlos anzuerkennen – und ein sinnvoller Anfang ist gemacht.

Geld und (zu dicke) Kinder – aber sicher?

Ein (fast) perfekter Marketing-Medien-Hype gelang dem Bayreuther IT-Unternehmen Business Systemhaus AG anlässlich der jüngst abgelaufenen CeBit. Angesichts von erstaunlichen ca. 1,5 Millionen übergewichtigen Jugendlichen allein in Deutschland initiiert Kinderarzt Dr. Gerald Hofner das Projekt SynX.
Hierbei spielen die betroffenen Jugendlichen eigenverantwortlich unterschiedliche Varianten ihres Tages- und Lebensablaufes durch; ein „Credit-Points-System“ und eine Zielvereinbarung sollen zum Abnehmen bewegen. Mittels regelmäßiger Zwischenstände werden die Kinderärzte eingebunden, mit Einverständnis des Kindes dürfen auch die Eltern mitwissen.
So löblich das Projekt an sich auch ist, ein fader Nachgeschmack bleibt: AOK und Bayerische Landesregierung fördern SynX, letztere mit kolportierten 55.000 Euro. Einen erheblichen Teil dürfte auf das Systemhaus entfallen, das damit das gerade für das sensible Gesundheitswesen sehr umstrittene (Datenschutz, -hoheit? siehe z.B. hier) Cloud-Projekt Azure des Multimilliarden-Unternehmens Microsoft nach vorne bringen will.
Noch ein Bemerkung zur Domain des Projektes www.projekt-synx.de, die – aus welchen Gründen auch immer – in den erwähnten Pressemitteilungen nur selten genannt wird: Ein Spaßvogel stellte die ziemlich sinnfreie Homepage
synx.hat-gar-keine-homepage.de/ online, ein Hamburger IT-Unternehmer hat sich schon vor Jahren synx.de gesichert (ist aber nicht konnektiert). Da hätte die PR-Maschine von Microsoft & Co. vielleicht vorher recherchieren sollen.

Termin online war gestern, doch Praxis-Apps fehlen noch

Länger als etwa 15 Minuten möchten Patienten beim Arzt nicht warten, wenn sie einen entsprechenden Termin ausgemacht haben. Dieser Punkt steht bekanntermaßen auf jedem Wunsch- und Beschwerdezettel in den Praxen dieser Republik. Noch werden die Möglichkeiten der Online-Terminvergabe nur von höchstens jeder siebten Praxis überhaupt angeboten (Beispiele: hier oder hier), immerhin drei Vierteln der Niedergelassenen ist diese Option zumindest geläufig – so ein Ergebnis der Stiftung Gesundheit.
Dabei scheint mir der nächste (oder übernächste Schritt) des Praxismarketings bereits jetzt überfällig: das maßgeschneiderte Praxis-App für das Smartphone: Praxis Dr. Müllerschmidt präsentiert ihre Leistungen jederzeit abrufbar und die Terminvergabe gibts gleich dazu. Eigentlich erstaunlich, dass sich dieses Themas noch niemand so richtig angenommen hat. Und auch, dass sich die Pharmaindustrie als Sponsor einer solchen Präsentation nicht engagiert – aber das kommt vielleicht noch.

Medizinangebot vielfach bewertet

Zum wiederholten Male nahm der Consert Online Service Angebote zu Medizin und Gesundheit, diesmal nach eigenen Angaben mehr als 4500 Web-Angebote von 100 Pharmafirmen. Kriterien waren bei der „Studie Benchmarking Pharma“ Inhaltsspektrum, Qualität und Webpräsenz jeweils gewichtet nach Fachkreisen, Patienten, Themen etc. Daraus ergaben sich verschiedene Ranglisten; Spötter könnten lästern, die Kriterien (u.a.: Spezial-Ranking, Indikations-Ranking, @AWARD …) werden so lange geschüttelt, bis jedes Unternehmen irgendwo ganz vorne liegt :-)
Leider sind der dazugehörende Webauftritt www.gesundheitsregister.de und auch www.consert.de selbst nach Meinung von PharmaFlash ziemlich unübersichtlich, weil grafisch und inhaltlich erheblich überfrachtet. Hier wäre weniger mehr gewesen. Die harten Infos jedenfalls sind durchaus einer Recherche wert.

Urteil: Nagelpilz ist hin und weg

Diese Juristen! Immer wieder kommen Urteile an die Öffentlichkeit, deren Lektüre möglicherweise kurzweilig zu nennen ist, deren Sinn oder Logik aber auch nach mehrmaligem Versuch leider verborgen bleibt. Im aktuellen Beispiel ging es um die Domain nagelpilz-weg.de, die einem Werbeslogan entspricht (natürlich ohne das .de am Ende). Wer jetzt genau was wem einstweilig untersagt hat oder eben nicht kann jeder Interessierte selbst anhand der Links herauszufinden versuchen: hier oder hier.
Ganz nett auch die Ergebnisse bei Eingabe von „nagelpilz weg“ in eine Suchmaschine. Fazit: schon erstaunlich, wofür hierzulande akademische, hoch bezahlte Ressourcen eingesetzt werden.