Autor: PharmaFlash

China greift im Gesundheitswesen zu

Schon mal was von Neusoft gehört? Ich auch nicht, bis gestern. Neusoft, das Spin-Off einer chinesischen Uni, ist mit inzwischen 16.000 Mitarbeitern weltweit kein ganz kleiner Mitspieler im internationalen IT-Solutions und -Consulting (wie das sich so schön nennt) Geschäft. Es hat mehrere Branchen im Visier, u.a. Logistik, Telekommunikation, Industrie und auch das Gesundheitswesen – für letzteres in China nicht mehr und nicht weniger als einer der Marktführer etabliert.
Weltweit hat es nach eigenen Angaben noch einiges vor, gerade in Europa und Deutschland.
Ein Schritt in diese Richtung war die ca. Drittelbeteiligung an der israelischen Aerotel, einem weltweit tätigen Hersteller von modularen, mobilen und heimbasierten Telemedizin- und Telecare-Lösungen. Mit dem bereits aufgebautem Portfolio von IT-Lösungen für Kliniken soll damit ein zusätzlicher Baustein für die erfolgreiche Expansion in den Weltmarkt sein. Noch ist es eine etwas ungewöhnliche Vorstellung, hier neben den bekannten US-Amerikanern weitere Investoren im großen Stil zu sehen, das wird aber vermutlich bald Alltag sein – und die Golfstaaten, Inder, Russen und Brasilianer etc. werden früher oder später folgen.

Apotheke hat keinen Wert – Spiegelpolemik

Kein gutes Haar läßt der SPIEGEL in seinem ausdrücklich Polemik genannten Erfahrungsbericht an der Kompetenz und Lebensberechtigung der Apotheke im Allgemeinen und der Beratungsqualität einer „weißbekittelten Mittvierzigerin“ im Besonderen. Da werden Zinkpräparate in den Markt gedrückt (nutzlos und auf Geheiß der Industrie – so wird suggeriert) und einem Heuschnupfler Birkenpollen-Tee verkauft. Im insgesamt mäßig witzigem – jedenfalls nach persönlicher Einschätzung des Redakteurs – Beitrag finden sich auch die üblichen Klischees vom politisch geschützten Monopol und Abzocke zu Lasten der Kunden. Mal sehen, wann und wie ABDA etc. mit einer empörten Stellungsnahme reagieren; am besten ignorierten sie den Beitrag einfach.

Da kommt was auf uns zu

Vor einer guten Woche, Anfang Mai, entschied der Europäische Gerichtshof, dass Pharma-Unternehmen Packungsbeilagen eben auch für – ja genau! – verschreibungspflichtige Arzneimittel
in ihrer „amtlich genehmigten Form“ im Internet veröffentlichen dürfen. Die langjährige Rechtsunsicherheit wird damit endlich beendet, stellt begrüßend der BPI fest. Der Richterspruch bezieht sinngemäß auch die öffentlich zugänglichen Evaluierungsberichte der Zulassungsbehörden ein, die „eins zu eins“ auf der Homepage abgebildet werden dürfen.
Einiges an Ärger, Aufwand und später auch (Abmahn-)Streitigkeiten sowohl für Unternehmen als auch für PR- und andere Agenturen wird allerdings die Bedingung darstellen, dass diese Infos nur unter einem Pull-Zugang zur Verfügung stehen dürfen. Darunter ist zu verstehen, dass der Interessent „aktiv nach den Dokumenten suchen muss und er nicht nicht zum passiven Empfänger“ wird. Was immer das nun genau heißen soll in der Praxis.

Ich lasse mir meine Hautcreme mischen

Eigentlich schon überfällig: Endlich kann man/frau sich seine/ihre individuelle Hautcreme online bestellen. Unter www.meine-hautcreme.de bietet die Anthemis Apotheke aus Herrieden bei Ansbach diesen Service an. Der Nutzer klickt sich seine Inhaltsstoffe – natürlich nur frei verkäufliches – selbst zusammen, abgestimmt auf Hauttyp und persönlichen Wünschen; alles natürlich ohne Emulgatoren, Konservierungsmittel, Duftstoffe, Mineralölprodukte, Silikone und Amine. Laut ABG schaut „ … zur Sicherheit ein Arzt auf die Rezeptur. Bedingung ist daß Du keine Allergien oder bedeutsame Hautkrankheiten hast … “
Bezahlt wird per Vorkasse, PayPal, Lastschrift und Kreditkarte. Der Preis für die übliche 50 Gramm-Größe liegt bei ca. 35 Euro (Versand ist frei). Dieses Preisniveau entspricht in etwa dem marktüblichen bei Herstellung in einer Apotheke „um die Ecke“. Die Anthemis-Apotheke verweist auf ihre besondere Kompetenz für selbst hergestellte Rezepturen.
Eine Anmerkung zur Nutzerführung: Bei der Auswahl der Inhalte war anfangs nicht klar, wie weniger als fünf Zusätze gewählt werden können; das eigentliche Einfügen erforderte nicht ganz intuitiv den Klick auf das Bildchen. Das sind aber, wenn überhaupt, nur Kinderkrankheiten. Insgesamt macht das Angebot einen sehr aufgeräumten und professionellen Eindruck. Ob die Umsätze den Erwartungen entsprechen werden?

Fachportale starten neu?

Jahrelang war es still geworden um die medizinischen Portale, die nur für Fachkreise zugänglich sind. Die Interessenten tummelten sich in Foren der Berufsverbände und in übergreifenden Angeboten (um zwei beliebige zu nennen: facharzt.de, bvou.net). Ein Grund unter anderen war ganz banal: es gab einfach zu wenig Sponsoren aus der Industrie.
Jetzt hat sich wieder einmal ein bedeutender Mitspieler aus der Pharmabranche herausgewagt: B.Braun Melsungen bbraun.de ist Initiator von www.medperts.de „zur Förderung des Wissensaustauschs unter Medizinern“, damiz sind ganz im Sinne der Produkt-Zielgruppe Anästhesisten, Chirurgen und Intensivmediziner gemeint. Für Seriosität und Durchschlagskraft konnte man gewichtige Kooperationspartner mit ins Boot holen, u.a. die Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und das DIMDI.
Vielleicht leitet dieser Neustart ein stärkeres Engagement der Industrie in diesem Segment überhaupt ein. Das Web 2.0 mit seiner starken Einbindung der „Community“ macht es leichter als ehedem, die Zielgruppe effektiv und für beide Seiten sinnvoll einzubinden.

Goldenes Staubkorn der medizinischen Suche

In der Internet-Wüste von Millionen (gefühlten Milliarden) Seiten findet sich doch manches „goldenes Staubkorn“. Wie im folgenden Beispiel manchmal sogar direkt vor der Tür, man hätte sie schon längst entdecken sollen, war aber irgendwie zu sehr mit Google & Co. beschäftigt. Das gilt hier sogar im wörtlichen Sinn, vorgestellt werden soll hier medpilot.de, ein Service der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin mit Sitz in Köln.
Eine klare Oberfläche mit übersichtlicher Bedienung lässt Fachliteratur zu jedem denkbaren medizinischen Stichwort finden. Vorteil gegenüber Google und/oder PubMed ist vor allem die Berücksichtigung deutscher Publikationen. Einige Ergebnisse sind gleich zum Lesen und Download verlinkt, andere muss man bestellen. Das kostet ab 5,- Euro für Privatpersonen und überschaubare 9,- Euro aufwärts für gewerbliche Kunden. 9,- Euro aufwärts.