Segeln unter falscher Flagge?

Schon wieder deckten öffentlich-rechtliche Medien eine „anrüchige“ Pharma-Werbe-Kamapgne auf. Laut eines Beitrags des NDR (Mitteilung hier) bewirbt das Pharmaunternehmen Allergan Botox als Migränemittel. Die entsprechenden Plakate „Kopf frei fürs Leben“ ließen „nicht direkt“ das dahinterstehende Unternehmen erkennen, die Online-Plattform www.chronischemigraene.de nenne im Impressum die „die deutsche Vertriebszentrale des US-Pharmakonzerns Allergan“.

Sturmzeiten

Sturmzeiten

Besonders kritisiert wird zum einen, dass die – immerhin vorhandene – Zulassung des Wirkstoffes nur eine kleine Patientenzahl abdeckt, was einen so großen Aufwand nicht rechtfertige. Zum andern wird die Verquickung „namhafter“ Ärzte (einige Namen werden in obiger Mitteilung erwähnt) thematisiert, die für ihre Vortrags- oder Gutachtertätigkeit Honorare vom Unternehmen beziehen (sollen).
Alles in allem werde das Werbeverbot für verschreibungspflichtige

Da ist nichts …

Wie schon mehrfach berichtet (siehe u.a. hier) machen vorgetäuschte Nutzer(-konten) – neudeutsch gefakte accounts – und automatisierte Eingaben einen nicht unerheblichen Teil des Internet-Traffics aus. Unglaubliche ein Drittel des Datenvolumens erzeugen roboter-gestützte Klicks – für werbende Unternehmen ein Graus. Weitere Spielarten dieses Problems sind maschinelle Bewertungen, die aber ein „echter“ Mensch selbst erkennen können soll (siehe hier).

Da ist nichts drin ...

Da ist nichts drin …

Diese Tatsachen sind für die großen der Branche, die letztlich von den Nutzerzahlen leben, eine existenzielle Herausforderung. Facebook ging offiziell von ca. 5-10% (plus Dunkelziffer?) irgendwie unregelmäßigen Nutzerkonten aus, meint aber, deren Zahl durch intelligente Maßnahmen zurückdrängen zu können.
Vor einigen Tagen gab Twitter seine Einschätzung

Bärendienst für IGeL (?)

Im meldungsschwachen Sommerloch gibts immerhin etwas neues zum Dauerbrenner IGeL (Individuelle Gesundheitsleistungen). Von Anfang an liefen diese unter sehr skeptischen Augen der Kassen (siehe u.a. www.igel-monitor.de).

IGeL

IGeL

Nun startete eine Gegenoffensive von Ärzten: free-med.net und dessen Schwesterportal wiki-medi.de. Diese beiden und die „Ärztliche Gesellschaft für Gesundheit und Prävention“ aeggp.de scheinen wesentlich eine Initiative von Dr. Norbert Panitz www.drpanitz.de aus Berlin zu sein, er ist jeweils (Mit-) Geschäftsführer, alle teilen sich Anschrift und Telefonnummern. Bisher aber – da kann man einem Beitrag bei doccheck nur beipflichten – sind die genannten Online-Angebote sehr dürftig.
Was free-med und wiki-medi unterscheidet oder wofür sie eigentlich gut sein sollen, ist schlichtweg nicht

Wer bekommt .med?

Erstaunliche Domainendungen (TLD „Top Level Domains“ – bekannte sind .com, .net oder .de) wie .trust .futbol .ninja oder auch .berlin sind seit einiger Zeit erhältlich. Ob der Bedarf dafür vorhanden ist, muss sich noch zeigen. Sinnvoller erscheint eine TLD wie das geplante .med („www.dr.med“ hört sich ganz gut an), doch die Einführung war aufgrund einer „community objection“ (inoffizielle Abstimmung der Zielgruppe) vorerst auf Eis gelegt.

Ich komme aus .berlin

Ich komme aus .berlin

.health wurde (angeblich?) aus Gründen des Verbraucherschutzes vollständig gestoppt. Doch jetzt ist das Rennen wieder offen, die zuständige halb-staatliche ICANN verwarf die Blockade, nachdem interessierte Vermarkter protestierten.
Mindestens zwei Bewerber möchten das .med-Geschäft machen, medistry (ein Ableger des gemeinnützigen US-Klinikbetreibers Cleveland Clinic) sowie Hexap (ein französischer Domain-Spezialist) sind offiziell noch Bewerber. Die Kölner DocCheck

Radier es weg!

Innerhalb der digitalen Welt wird zur Zeit viel vom „Recht auf Vergessen“ geredet. „Das Internet vergisst nichts“ heißt es griffig, man denkt dabei nicht von ungefähr an so genannte Datenkraken wie Google, Facebook und Co. Ein aufsehenerregendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes soll nun (angeblich?) diese Unternehmen verpflichten, auf Antrag bestimmte Einträge zu löschen.

Radier es weg!

Radier es weg!

Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, auch ganz praktische oder technische Fragen bleiben offen: Was ist, falls kein Zugriff auf den Dienstleister möglich ist, da dieser in nicht kooperationswilligen Staaten sitzt oder wenn irgendjemand noch schnell die eigentlich zu löschenden Infos kopiert und an anderer Stelle veröffentlicht?
Auch PharmaFlash wurde aktuell aufgefordert, einen Eintrag aus dem Archiv zu löschen. Der Beitrag vom 29. April 2002 (ja, so lange und noch länger gibt es uns schon!) sei diskriminierend und falsch. Wir sind der Meinung,

Medienkampagne rettet ein Kind – ist das gerecht?

Möchten Sie sich sagen lassen, nicht alles mögliche getan zu haben, einem Kind das Leben zu retten? Eine Suggestiv-Frage, natürlich, das will niemand. Und doch bleibt ein unguter Nachgeschmack bei einem aktuellen Geschehen in den USA: Ein todkranker Junge bekam ein noch nicht zugelassenes Medikament gegen eine bestimmte Virusinfektion, hunderten Patienten in ähnlicher Situation war dies verweigert worden (Einzelheiten siehe in dieser Meldung hier).

Ist das gerecht?

Ist das gerecht?

Wie kam es dazu? Die Eltern mobilisierten über Facebook mehr als 20.000 Unterstützer, die entsprechenden „Druck“ auf die Herstellerfirma und die Zulassungsbehörde FDA erzeugten. Letztere genehmigte kurzfristig eine zusätzliche klinische Studie des Wirkstoffes an Kindern – eine bei der Datenlage zu diesem Zeitpunkt äußerst ungewöhnliche Entscheidung. In diese Studie wurde – wenig überraschend – auch der erwähnte Junge aufgenommen.
In US-Fachkreisen und -medien läuft seither eine Diskussion: Ist es gerecht, dass jemand aufgrund einer „geschickten Medienkampagne“