Erst gekauft, dann abgestraft – Ärzte zahlen drauf

Was es alles so gibt! – die folgende Geschichte lässt am gesunden Menschenverstand einiger Mitspieler im deutschen Gesundheitsmarkt zweifeln. Ende letzten Jahres erreichte uns eine Pressemitteilung des (nach eigenen Angaben) marktführenden Arzt-Bewertungsportals Jameda – mal wieder eine, dort verfügt man über eine gut geölte PR-Abteilung. Nun sind diese News wahrlich nicht immer einer PharmaFlash-Meldung wert, diese allerdings gibt doch zumindest zum Nachdenken Anlass.
Jameda vermeldete, kurz gesagt, 18 Ärzte wegen gekaufter positiver Bewertungen abgemahnt, diese Fakes (natürlich) gelöscht zu haben und – durchaus konseqent rigoros – diese Tatsache auch auf den betroffenen Profilen ausdrücklich offengelegt zu haben.

Das ist nicht echt

So weit, so gut – das ist Jamedas gutes Recht. Was aber das besondere daran ist, drei dieser Dienstleister wurden namentlich genannt, nämlich GoldStar Marketing, Fivestar Marketing und die Bewertungs-Fabrik.

Und damit beginnt das eigentlich kaum zu glaubende: ein Blick in das Impressum dieser drei enthüllt, dass diese in Malta, Belize und auf Zypern sitzen. Man sollte doch meinen, dass bei dieser Tatsache die Alarmglocken klingen und alle roten Lämpchen angehen. Wir unterstellen keinem dieser Unternehmen Unseriosität oder gar halblegale Geschäftspraktiken. Allerdings,

Neue Medizin im Übernahme-Fieber

Schon länger ist es eine Binsenweisheit, dass die deutsche Gesundheitsbranche vermehrt zum Spielfeld spekulativer Übernahmen wird (sieh auch unsere Meldung hier. Mit Gesundheitsbranche ist hier nicht die pharmazeutische Industrie gemeint, sondern ganz klassisch Unternehmen mit unmittelbarem Patientenkontakt – diese galten bisher als unbequemes, überreguliertes und letztlich unattraktives Umfeld für Investitionen. Zwei Beispiele aus letzter Zeit bestätigen aber nun, dass die Grenzen zwischen online/offline sowie eHealth und herkömmlicher Patientenversorgung für neue Unternehmen keine Rolle mehr zu spielen scheinen.
Zum einen übernahm das Berliner e-Health-Startup MediDate seinen Konkurrenten Medical One aus München. Damit „vollendet es den Wandel vom digitalen Vermittler zum Premiumanbieter medizinischer Leistungen im Bereich der plastisch-ästhetischen Chirurgie.“ (so der PR-Text) MediDate organisiert und digitalisiert den gesamten Operationsprozess in der plastisch-ästhetischen Chirurgie – mit Ausnahme des chirurgischen Eingriffs selbst und entlastet damit Leistungserbringer und Patienten.

Fisch

Großer Fisch – kleiner Fisch

Nach dem virtuellen besteht nun über Medical One – deutschlandweit 24 Standorten mit ca. 10.000 Behandlungen/a – Zugriff auf die ganze Wertschöpfungskette.
Über Geld wird natürlich offiziell nicht gesprochen, finanziert hat den Deal Earlybird Venture Capital.
Zum zweiten konsolidiert sich der Markt für Buchungsplattformen:

Kraken – Hilft nur noch Abschalten?

In diesen Tagen bleibt an Facebook kaum ein gutes Haar. Die ‚Krake‘ sammelt augenscheinlich nicht nur mehr oder weniger ungefragt und/oder unerkannt auf einer ganzen Menge Websites eine ganze Menge Daten, diese werden darüber hinaus wohl auch für zweifelhafte Analysen und Kampagnen ausgewertet. Wenig überraschend weiß offiziell niemand nichts genaues und Schuld sind sowieso immer die anderen. (Stichworte für eine erste Recherche bei https://duckduckgo.com: ‚facebook cambridge analytica‘).
Wie auch immer: PharmaFlash hat auf die Schnelle eine – wissenschaftlich nicht repräsentative, aber eindrückliche – Website-Stichprobe von Pharmaunternehmen, Agenturen, Gesundheitsportalen, aber auch von Selbsthilfegruppen oder (selbsternannten) „kritischen“ oder „alternativen“ Anbietern von Gesundheitsinfos besucht. Wir haben keinen einzigen gefunden, der keine „Tracker“ einsetzt.
Wer sich informieren möchte: hier ein Einsprungpunkt zur juristisch sehr wackeligen Konstruktion: ‚Facebook Pixel erweiterter Abgleich‘ in einem fundierten Beitrag.

Krake

Krake


Warum tun sich die Betreiber das an und machen sich angreifbar? Das muss jeder für sich überlegen. PharmaFlash hat

Millionen für den Arzttermin

Daten sind Gold wert, medizinische noch mehr. Eine Binsenweisheit – vielleicht. Wer noch einen weiteren Beweis dafür suchte, wird jetzt beim Blick in den Wirtschaftsteil der Fachpresse fündig. Zwei Meldungen dieses Jahres untermauern die Gier der Branche nach „belastbaren“ Daten. Und dabei geht es auf den ersten Blick gar nicht um medizinische Daten im engeren Sinn.

Millionen für Arzttermine

Millionen für Arzttermine

Die eine Meldung betrifft Doctena, entstanden als Spin-Off der Charité. Nie gehört? Es handelt sich um eine Plattform zu Onlinebuchung für Arzttermine. Doctena übernimmt das Ärzte-Segment (ca. 5.000 Ärzte) des Wiesbadener Anbieters Terminland, der auch in anderen Branchen aktiv ist, z.B. Auto oder Immobilien. Für den Arzt kostet die Teilnahme monatlich 99,- Euro (als Hausnummer genannt).
Eine zweite Plattform, ebenfalls mit europäischem Anspruch, ist Doctolib, Stammsitz in Frankreich. Stolz verkündete es, das höchste europäisches eHealth-Investment 2017 erhalten zu haben: immerhin sammelte man insgesamt 61 Millionen Euro ein.
Viel, viel Geld. Und das alles nur, „um ein paar Termine zu vermitteln“? Wer‘s denn glaubt … Es bedarf keiner besonders ausgeprägten journalistischen Phantasie, zu vermuten, worum es wirklich geht. „Cui bono“ fragten

Milliardenkauf in Online-Gesundheit

Weitgehend unbemerkt in Deutschland wurde in diesen Tagen ein wahrhaftig „schweres“ Geschäft in der gehypten WWW-eHealth-Branche unter Dach und Fach gebracht. Internet Brands, eine Tochter/Beteiligung des „Investment-Pioniers“ KKR übernimmt alle noch ausstehenden Anteile von WebMD.

Der Kuchen wird neu verteilt

Der Kuchen wird neu verteilt

KKR (die Initialen der Gründer Kohlberg Kravis Roberts) wurde bekannt als einer der ganz großen Investmentgesellschaften, insbesondere Aufgrund des Erwerbs des Tabakgiganten R.J. Reynolds einschließlich dem Lebensmittelkonzern Nabisco. Dieses Asset wurde später filetiert und mit nicht geringem Gewinn verkauft. Die jetzige Transaktion hat ein Volumen von 2,8 Milliarden Dollar und soll im 4. Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein.
WebMD ist einer der großen Spieler im (US-)Health und eHealth-Bereich. Zielgruppe sind sowohl Laien/Patienten, u.a. DentalPlans.com, eHealthForum.com, HealthBoards.com, als auch Professionals, siehe z.B. Medscape (Medizinische Informationen und Weiterbildung). WebMD ist zunehmend auch

Gesicherte Health

Nicht alle „neuen“ TLDs waren oder sind ein Erfolg – sehr zum Mißfallen der Betreiber, die diese meist für viel Geld einkauften. Oder wer hat schon einmal eine Seite aufgerufen mit der Endung .hair .food .newholland oder .wow? Interessiert an einer Registrierung? Dann bitte die jeweiligen Stellen unter meist nic.tld anwählen – statt tld die gewünschte einsetzen, z.B. also nic.wow oder nic.hair.

Stacheldraht

Sicherheit?

Wie dem auch sei, die ebenfalls neue TLD „.health“ steckt noch in den Startlöchern, der Inhaber DotHealth möchte natürlich zum einen gutes Geld verdienen, andererseits aber möglichst nur „Qualität“ zulassen. Das soll der US-Dienstleister LegitScript gewährleisten, der nach eigenen Angaben in ähnlichem Auftrag auch für Google und Microsoft-Bing tätig war und ist. Die kommenden Inhalte müssen Gesundheitsbezug aufweisen und dürfen weder unsicher noch illegal sein sowie „die Gesundheit der Internetnutzer keinen Risiken“ aussetzen. Insbesondere sollen augenscheinlich Versender von Arzneimitteln unter die Lupe genommen werden.
Die praktische Durchführung erscheint allerdings noch nebulös, sollen