Autor: PharmaFlash

Kraken – Hilft nur noch Abschalten?

In diesen Tagen bleibt an Facebook kaum ein gutes Haar. Die ‚Krake‘ sammelt augenscheinlich nicht nur mehr oder weniger ungefragt und/oder unerkannt auf einer ganzen Menge Websites eine ganze Menge Daten, diese werden darüber hinaus wohl auch für zweifelhafte Analysen und Kampagnen ausgewertet. Wenig überraschend weiß offiziell niemand nichts genaues und Schuld sind sowieso immer die anderen. (Stichworte für eine erste Recherche bei https://duckduckgo.com: ‚facebook cambridge analytica‘).
Wie auch immer: PharmaFlash hat auf die Schnelle eine – wissenschaftlich nicht repräsentative, aber eindrückliche – Website-Stichprobe von Pharmaunternehmen, Agenturen, Gesundheitsportalen, aber auch von Selbsthilfegruppen oder (selbsternannten) „kritischen“ oder „alternativen“ Anbietern von Gesundheitsinfos besucht. Wir haben keinen einzigen gefunden, der keine „Tracker“ einsetzt.
Wer sich informieren möchte: hier ein Einsprungpunkt zur juristisch sehr wackeligen Konstruktion: ‚Facebook Pixel erweiterter Abgleich‘ in einem fundierten Beitrag.

Krake

Krake


Warum tun sich die Betreiber das an und machen sich angreifbar? Das muss jeder für sich überlegen. PharmaFlash hat

Millionen für den Arzttermin

Daten sind Gold wert, medizinische noch mehr. Eine Binsenweisheit – vielleicht. Wer noch einen weiteren Beweis dafür suchte, wird jetzt beim Blick in den Wirtschaftsteil der Fachpresse fündig. Zwei Meldungen dieses Jahres untermauern die Gier der Branche nach „belastbaren“ Daten. Und dabei geht es auf den ersten Blick gar nicht um medizinische Daten im engeren Sinn.

Millionen für Arzttermine

Millionen für Arzttermine

Die eine Meldung betrifft Doctena, entstanden als Spin-Off der Charité. Nie gehört? Es handelt sich um eine Plattform zu Onlinebuchung für Arzttermine. Doctena übernimmt das Ärzte-Segment (ca. 5.000 Ärzte) des Wiesbadener Anbieters Terminland, der auch in anderen Branchen aktiv ist, z.B. Auto oder Immobilien. Für den Arzt kostet die Teilnahme monatlich 99,- Euro (als Hausnummer genannt).
Eine zweite Plattform, ebenfalls mit europäischem Anspruch, ist Doctolib, Stammsitz in Frankreich. Stolz verkündete es, das höchste europäisches eHealth-Investment 2017 erhalten zu haben: immerhin sammelte man insgesamt 61 Millionen Euro ein.
Viel, viel Geld. Und das alles nur, „um ein paar Termine zu vermitteln“? Wer‘s denn glaubt … Es bedarf keiner besonders ausgeprägten journalistischen Phantasie, zu vermuten, worum es wirklich geht. „Cui bono“ fragten

Milliardenkauf in Online-Gesundheit

Weitgehend unbemerkt in Deutschland wurde in diesen Tagen ein wahrhaftig „schweres“ Geschäft in der gehypten WWW-eHealth-Branche unter Dach und Fach gebracht. Internet Brands, eine Tochter/Beteiligung des „Investment-Pioniers“ KKR übernimmt alle noch ausstehenden Anteile von WebMD.

Der Kuchen wird neu verteilt

Der Kuchen wird neu verteilt

KKR (die Initialen der Gründer Kohlberg Kravis Roberts) wurde bekannt als einer der ganz großen Investmentgesellschaften, insbesondere Aufgrund des Erwerbs des Tabakgiganten R.J. Reynolds einschließlich dem Lebensmittelkonzern Nabisco. Dieses Asset wurde später filetiert und mit nicht geringem Gewinn verkauft. Die jetzige Transaktion hat ein Volumen von 2,8 Milliarden Dollar und soll im 4. Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein.
WebMD ist einer der großen Spieler im (US-)Health und eHealth-Bereich. Zielgruppe sind sowohl Laien/Patienten, u.a. DentalPlans.com, eHealthForum.com, HealthBoards.com, als auch Professionals, siehe z.B. Medscape (Medizinische Informationen und Weiterbildung). WebMD ist zunehmend auch

Gesicherte Health

Nicht alle „neuen“ TLDs waren oder sind ein Erfolg – sehr zum Mißfallen der Betreiber, die diese meist für viel Geld einkauften. Oder wer hat schon einmal eine Seite aufgerufen mit der Endung .hair .food .newholland oder .wow? Interessiert an einer Registrierung? Dann bitte die jeweiligen Stellen unter meist nic.tld anwählen – statt tld die gewünschte einsetzen, z.B. also nic.wow oder nic.hair.

Stacheldraht

Sicherheit?

Wie dem auch sei, die ebenfalls neue TLD „.health“ steckt noch in den Startlöchern, der Inhaber DotHealth möchte natürlich zum einen gutes Geld verdienen, andererseits aber möglichst nur „Qualität“ zulassen. Das soll der US-Dienstleister LegitScript gewährleisten, der nach eigenen Angaben in ähnlichem Auftrag auch für Google und Microsoft-Bing tätig war und ist. Die kommenden Inhalte müssen Gesundheitsbezug aufweisen und dürfen weder unsicher noch illegal sein sowie „die Gesundheit der Internetnutzer keinen Risiken“ aussetzen. Insbesondere sollen augenscheinlich Versender von Arzneimitteln unter die Lupe genommen werden.
Die praktische Durchführung erscheint allerdings noch nebulös, sollen

Weg mit der Werbung, koste es was es wolle

Fast so alt wie das Internet ist bekanntermaßen das scheinbar nicht lösbare Dilemma: einerseits möchte der Nutzer nützliche Infos – sofort, seriös, kompetent usw. Auf der anderen Seite ist er nicht bereit, dafür zu zahlen – obschon er weiß, dass solche Inhalte „eigentlich“ nicht umsonst bereitgestellt werden können. Spötter aus der Gesundheitsbranche vergleichen es mit den analogen Zeiten: Heilberufler wollen ja auch Fortbildung, Literatur, Praxismaterialien – aber bitte kostenlos …

Werbung verboten?

War bis vor einiger Zeit der Nutzer allerdings der Banner- und Pop-Up-Flut hilflos ausgeliefert, stehen seit einiger Zeit Ad-Blocker bereit oder werden gleich im Browser verdrahtet. Ad-Blocker allerdings geraten wegen der Möglichkeit, sich per bezahltem „Whitelisting“ freizukaufen, selbst in die Schusslinie (siehe z.B. hier oder hier). Der Surfer lässt sich eben auf die Dauer nicht verdummen …
Lösungen, den Nutzer mit ins Boot zu holen nach dem Motto „Du erhältst die Info, wenn wir ‚ganz kurz‘ etwas Werbung einblenden können (bitte kurz als Einverständnis klicken“ liegen da nahe (ein Anbieter hier).
Leider dräut damit schon das nächste Problem: wer kann wirklich

Ein wenig mehr Trump, bitteschön?

Immer wieder passiert spektakuläres, wenn man am wenigsten damit rechnet – diese Binsenweisheit beschreibt das richtige Leben allzu oft (leider). Zwei EILT-EILT-Meldungen schreckten hierzulande nicht nur die Gesundheitsbranche auf: die „Freigabe“ der Medikamentenpreise durch den EuGH und der „postfaktische“ Wahlsieg des Donald T. Haben diese etwas miteinander zu tun?
In Sachen Rx-Freigabe fällt auf, dass bisher darauf wenig bis gar keine Marketing-Resonanz zu spüren war. „Natürlich“ feuerte die betroffene Apothekerschaft heftige Breitseiten ab, doch kam davon etwas beim Verbraucher an? Kaum, diese hoffen nach wie vor, für Medikamente demnächst weniger Geld auszugeben.

Goldfasan ist Trump

Goldfasan ist Trump

Von Seiten der Pharma-Industrie geschah bisher gar nichts. Warum sollten man sich hier die Zunge verbrennen und/oder sich zu weit aus dem Fenster lehnen. Abwarten lautet die Devise.
Ein Donald T. hätte sich diese Gelegenheit sicher nicht entgehen lassen: die bösen, gierigen Apotheker, das blöde Gericht, die geschundenen Verbraucher, der unerbittliche Staat mit seinem Zwangskorsett – irgendwas hätte schon gepasst. Ob das nun stimmt was er sagt, oder überhaupt stimmen könnte oder sich durch Fakten erhärten lassen kann – egal: Stimmung wird gemacht. Daraus kann doch das Marketing nur lernen – oder? Frei nach dem Motto: „Von Trump lernen heißt siegen lernen!“