Geld und (zu dicke) Kinder – aber sicher?

Ein (fast) perfekter Marketing-Medien-Hype gelang dem Bayreuther IT-Unternehmen Business Systemhaus AG anlässlich der jüngst abgelaufenen CeBit. Angesichts von erstaunlichen ca. 1,5 Millionen übergewichtigen Jugendlichen allein in Deutschland initiiert Kinderarzt Dr. Gerald Hofner das Projekt SynX.
Hierbei spielen die betroffenen Jugendlichen eigenverantwortlich unterschiedliche Varianten ihres Tages- und Lebensablaufes durch; ein „Credit-Points-System“ und eine Zielvereinbarung sollen zum Abnehmen bewegen. Mittels regelmäßiger Zwischenstände werden die Kinderärzte eingebunden, mit Einverständnis des Kindes dürfen auch die Eltern mitwissen.
So löblich das Projekt an sich auch ist, ein fader Nachgeschmack bleibt: AOK und Bayerische Landesregierung fördern SynX, letztere mit kolportierten 55.000 Euro. Einen erheblichen Teil dürfte auf das Systemhaus entfallen, das damit das gerade für das sensible Gesundheitswesen sehr umstrittene (Datenschutz, -hoheit? siehe z.B. hier) Cloud-Projekt Azure des Multimilliarden-Unternehmens Microsoft nach vorne bringen will.
Noch ein Bemerkung zur Domain des Projektes www.projekt-synx.de, die – aus welchen Gründen auch immer – in den erwähnten Pressemitteilungen nur selten genannt wird: Ein Spaßvogel stellte die ziemlich sinnfreie Homepage
synx.hat-gar-keine-homepage.de/ online, ein Hamburger IT-Unternehmer hat sich schon vor Jahren synx.de gesichert (ist aber nicht konnektiert). Da hätte die PR-Maschine von Microsoft & Co. vielleicht vorher recherchieren sollen.

2 comments for “Geld und (zu dicke) Kinder – aber sicher?

  1. 16. März 2011 at 22:11

    Leider ist die Entwicklung des Übergewichts von Kinder und Jugendlichen im Zusammenhang mit der zunehmenden Veränderung der gesellschaftlichen Lebensstile zwar sehr häufig Berichtsthema in verschiedenen Medien, bezüglich der Behandlung besteht jedoch weiterhin Hilflosigkeit. Unsere neuartige Herangehensweise, mit unzähligen Stunden unbezahlter Eigenleistung „subventioniert“, lediglich aufgrund der Drittelmittelförderung seitens Microsoft abzuqualifizieren, wird weder den Initiatoren, den Inhalten noch den hineingeborenen Jugendlichen und der für sie bestehenden Versorgungslücke, die dringend Lösungen benötigt, gerecht.
    Als Initiator und Inhaltsverantwortlicher des Projektes SynX möchte ich mich an dieser Stelle deshalb erst einmal für den Einsatz der in der Kritik gescholtenen IT-Firmen Microsoft und Business Systemhaus AG, mit denen im Übrigen keinerlei wirtschaftliche Verflechtungen bestehen, bedanken, ohne deren Eigenleistung und Sponsoring die Entwicklung des Systems SynX in dieser Qualität kaum möglich gewesen wäre.
    Weiterhin wünsche ich mir ein starkes gesellschaftliches Engagement gegen die das Übergewicht bedingenden Lebensbedingungen unserer Kinder und Jugendlicher. Gerne würden wir in diesem Zusammenhang für die Optimierung und endgültige Anwendungsreife des Systems auch weitere Sponsorgelder annehmen – gerne auch von Onlineportalen wie PharmaFlash.

  2. PharmaFlash
    25. März 2011 at 13:42

    Nichts liegt uns ferner, als das Projekt abzuqualifizieren. Im Gegenteil: Weiß doch der Autor aus eigener Praxis- und Klinikerfahrung, dass die Einführung neuer nicht etablierter Methoden oft erheblichen Widerständen ausgesetzt ist – auch und gerade, wenn sie gut sind. Unsere Kritik richtet sich ausschließlich gegen die Medien- und PR-„Maschine“ der genannten Unternehmen, die in diesem Fall in exemplarischer Art und Weise den medizinischen und/oder gesellschaftlichen Hintergrund zugunsten einer massiven Marketingaktion vernachlässigen.